„Das ganze Verfahren birgt viel zu viele Ungereimtheiten und zeigt wieder einmal, mit welcher Bravour man in den vergangenen Jahren unter Ausnutzung aller Winkelzüge, Politik gemacht hat“ kritisiert auch der Fraktionsvorsitzende der Königsteiner SPD Hartmut Paulsen . Nicht nur bei der Umgehung der Denkmalbehörde. Den schwarzen Peter hat nicht das Wiesbadener Denkmalamt. Der tiefschwarze Peter liegt im Rathaus und Bürgermeister Helm ist nicht zu beneiden, wenn er die Fehler seines Vorgängers nun ausbaden muss.
Als man bereits intensiv mit dem Investor den Erbpachtvertrag aushandelte, versäumte Bürgermeister Fricke absichtsvoll oder aus Ignoranz, die Denkmalbehörde in die Erweitungspläne der Villa Rothschild einzubeziehen.
Statt dessen hat man im Eilverfahren den Stadtverordneten einen Bebauungsplan vorgelegt, zu dem die Denkmalbehörde erst im Nachhinein befragt wurde. Die Folgen solcher Vertragsunschärfe zwischen Stadt und Investor hat die Mehrheit des Parlamentes entweder nicht erkannt oder nicht erkennen wollen.
Es kann nicht der Denkmalpflege angelastet werden, dass BM Fricke anscheinend dem Bauherrn der Villa Rothschild an der Denkmalbehörde vorbei Versprechungen gemacht hat, wobei noch völlig unklar ist, was der genaue Inhalt solcher Versprechen gewesen sein könnte. Eine vertragliche Zusage von Seiten der Stadt, die Kongresshalle in dem historisch besonders sensiblen Bereich südlich der Villa zu bauen, ist nirgends dokumentiert. „Wenigstens kennen wir eine solche Vereinbarung nicht“.
Dabei löst auch die nun sehr verkleinerte Variante der Kongressbebauung wenig, denn auch diese wird von der Denkmalbehörde nicht genehmigt werden. Wenigstens so lange nicht, weiß Gabriele Klempert aus direkter Quelle, bis der Investor dargelegt hat, wieso es ihm nicht zuzumuten sei, die Kongresshalle an einer anderen Stelle zu errichten.
Jetzt müssen sich alle an einen Tisch setzen, fordert der Fraktionsvorsitzende Hartmut Paulsen und hofft, dass der Investor dazu bereit ist – schließlich würde sein Objekt dabei nicht nur optisch und moralisch gewinnen, sondern ihm und uns ein historisch bedeutsamer Park in seiner ganzen Pracht erhalten bleiben.



