Und auch wenn sich Toni Ende der 80er Jahre aus der aktiven Politik zurückgezogen hatte, sprach er weiterhin ein gewichtiges Wort.
Das geschah meist, wenn sich die Versammlung bereits in Sicherheit wiegte und meinte, alles Wichtige sei gesagt. Dann meldete sich Toni - und ich sah heimlich auf die Uhr. Sein Beitrag konnte dauern.
Ihm zuzuhören machte Sinn, auch wenn ich anfangs leider wenig Geduld aufbrachte. Später setzte Toni seiner Rede immer ein "ich mache es kurz" voran, um dann doch die Zeit in Anspruch zu nehmen, die er für notwendig hielt und die wir gefälligst ihm zuzuhören hatten.
Wenn er guter Stimmung war, babbelte Toni hessisch und erzählte Königsteiner Anekdoten, die wir Zugereisten mit Mühe, aber großer Heiterkeit verfolgten. Das war besonders, wenn er mit Otto Katzer, Wolfgang Erdmann und anderen im Mehlsack zusammen kam. Im Parterre des Heimatmuseums, wo heute nur nackte Mauern vor einer dicken Glaswand zu sehen ist. Bei diesen Königsteiner Babbelabenden und später im Denkmalverein erzählte er Geschichten aus Königsteins Vergangenheit.
Wenn Toni ärgerlich war, sprach er hochdeutsch und mahnte uns, die Königsteiner Kulturlandschaft, bzw. den Rest, der an intakter Natur, an Parkanlagen und Denkmälern noch übrig geblieben sind zumindest zu bewahren, wenn nicht wiederherzustellen.
Der Burghain und die Blickachsen dereinst berühmter Parkanlagen und in Königsteins Wäldern sind inzwischen genauso zugewuchert wie der Blick für deren Bedeutung.
Zuhause war seine Schreibmaschine das unverzichtbare Gerät zur Rettung dieses Wissens. Dem Verleger Hans-Curt Köster vertraute Toni rund 10 Ordner seiner Recherchen an. Diese Schätze warten nun darauf, gehoben zu werden. Wer wird das tun?
Eine der großartigen Ideen von Toni war, auf der Königsteiner Burg eine Bauhütte einzurichten, die als Jugendausbildungsstätte und Informationszentrum für alte Handwerkstechniken dienen sollte. Ein Geschäftsmodell, das unglaublich reizvoll ist, aber politisch so fern, wie eine Landung auf dem Mars.
Aber auch auf dem Boden der Realität trieb Toni die Politik bis zuletzt noch um. Jeder neue Bebauungsplan wurde geprüft. Er schien sämtliche Pläne auswendig zu kennen, was einst beschlossen wurde und wann und an wen welches Gelände verkauft worden war.
Ob es um den Umbau im Woogtal ging, um die Zukunft des Kleingartenvereins, oder die Haderheckquelle, den sozialen Wohnungsbau, das Haus Raphael oder den Erhalt des Haus der Begegnung. Toni war dabei. Dass er am Ende seines Lebens wenigstens noch erfahren durfte, dass die Sanierung des Haus der Begegnung beschlossene Sache wurde, hat ihm eine große Freude bereitet.
Für Toni gehörte alles zusammen. Ein breites kulturelles Leben und eine intakte Kulturlandschaft waren seine Basis für das Wohlergehen unserer Stadt.
Nun ist es an uns, sein Vermächtnis weiterzuführen. Wann immer unser Blick oder unsere Gedanken in die Stadt und in die Umgebung Königsteins schweifen, werden wir an Toni denken. Und einen Gruß gen Himmel richten, wo unser Toni als Assistent der himmlischen Landschaftsgärtner uns lehrt, unsere Pflicht gegenüber dem Schöpfer und seiner Welt ernst zu nehmen.
Tonis Stimme ist für immer verklungen, seine Geschichten werden wir nicht mehr hören. Aber aus dem Off - wie man heute neudeutsch sagt werden Tonis Vorträge weiterhin Gehör finden. Die Erinnerung an ihn und die Ehrung seines Handelns wird uns immer begleiten.
Wir werden Toni niemals vergessen.
SPD Königstein
Gabriele Klempert
Toni Bender:
52 Jahre Mitgliedschaft in der SPD
September 1957 bis März 1989 Mitglied im Stadtparlament.
Ehrenbrief des Landes Hessen 1975.
1966 bis 1977 Stadtverordnetenvorsteher
1960 - 1978 Kreistagsabgeordneter im "Obertaunuskreis".



