Das „Neue Rathaus“ muß erhalten bleiben

Veröffentlicht am 15.05.2001 in Presse

Die SPD-Königstein beobachtet mit Sorge die Entwicklung in Zusammenhang mit dem Verkauf des „neuen“ Rathauses in der Hauptstraße 15.

Auf einer kurzfristig angesetzten Begehung am vergangenen Sonnabend mit Bürgermeister Fricke und einigen Mandatsträgern der Stadt mußte aus statischen Gründen die Idee verworfen werden, einen größeren Durchbruch als Sichtachse zum Kurpark herzustellen, so dass nun nicht mehr ausgeschlossen ist, das Gebäude abreißen zu lassen.

Dagegen wendet sich die SPD-Königstein, denn dieses Haus stellt ein wichtiges Zeugnis Königsteiner Geschichte dar. Darüber hinaus würde eine massive Unterbrechung der alten Häuserfront den einigermaßen erhaltenen Eindruck der barocken Stadterweiterung empfindlich stören.

Das „neue“ Rathaus entstand im 17. Jhd., wurde nach der Zerstörung Königsteins 1792 aufgestockt und noch vor 1837 als „Hotel-Amsterdam“ geführt und gilt seitdem als das älteste Hotel in Hessen Nassau. Darüber hinaus ist dieses Haus mit seiner Toreinfahrt und besonders der Flügelanbau mit Höfchen eines der letzten relativ ungestört erhaltenen Gebäude dieser Art, die für Königstein typisch sind.

„Es ist in Königstein in den letzten Jahrzehnten schon viel zu viel abgerissen worden, was erhaltenswert gewesen wäre“ meint Klempert, und erinnert beispielhaft an die Gebäude auf dem Grundstück des ehemaligen Gasthauses Post wie auch an das der heutigen Commerzbank. „Auch das sog. Mendla-Haus (Hauptstrasse 36) wie noch viele andere hätten erhalten werden können, wäre man in der Stadt nur etwas sensibler gegenüber der eigenen Geschichte und ihrer Zeugnisse.“

Dass dem Wunsch nach Abriß meist die Verwahrlosung von Gebäuden vorausgeht, sowie die Streuung von Gerüchten, die Substanz gäbe nichts her, ist eine gewohnte Methode, um Fakten zu schaffen. So wurde dies am Haus der Begegnung ebenso durchgezogen, wie am Mendla-Haus oder des Gasthauses Post. Das gleiche scheint nun am „neuen“ Rathaus praktiziert zu werden, das in nur wenigen Monaten einen außerordentlich trostlosen Eindruck macht. In kürzester Zeit vermutet niemand mehr, dass sich unter dem Putz ein ansehnliches Fachwerk verbirgt, das ohne genauere Prüfung als marode beschrieben wird.

Büroräume lassen sich auch in alten Gebäuden einrichten, wie einige gute Beispiele in Königstein zeigen, meint auch Dieter Vollmer von der SPD. Und sein Fraktionsvorsitzender Thomas Barz fügt hinzu, dass das auch keineswegs der richtigen Absicht widerspricht, „Investoren nach Königstein zu locken.“

„Besonders in einer Zeit der Wegwerfgesellschaft sollte man doppelt und dreifach hinsehen, was man da wegwirft. Ein neuer Kasten, der ein wenig „wie echt“ aussieht, ist schnell errichtet und dennoch eben nicht echt“ so Gabriele Klempert abschließend.

 

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