Geehrt wurde für 40 Jahre SPD Mitgliedschaft der Volkswirt und Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Richard Hauser. Er lehrte bis 2003 an der Universität Frankfurt und war Berater in der Rentenkommission der Bundesregierung. Richard Hauser ist u.a. Verfasser verschiedener Armutsberichte in Deutschland. Sein Vortrag zu „Armut und Wohlstand in Deutschland“ bildete den Kern des diesjährigen Neujahrsempfanges. Doch kam nicht nur die Theorie zu Wort, denn es gab für die zahlreichen Gäste und Mitglieder ausgiebig Gelegenheit für Gespräche, die bis in den frühen Nachmittag dauerten.
Einleitend fand die Vorsitzende Gabriele Klempert einige Worte zur allgemeinen politischen Lage, wobei ihr besondere Sorge die tiefgreifende Politikverdrossenheit machte. „Solange der Zorn der Menschen sich aber nur zuhause oder an Stammtischen artikuliert, dürften sich die Verhältnisse kaum ändern“. Dass aber Widerstand Sinn macht, zeigt sich, so Klempert, an der Unterschriftenaktion zur Rettung des Rodelbergs. Diesen aktiven Widerstand würde sie gern auch in den Parteien spüren. Darüber hinaus seien die allgemein als ungerecht empfundenen Gesetze zur Renten, Steuer- und Gesundheitsreform nicht nur der Berliner Regierung anzulasten. Bei einer CDU-Mehrheit in Berlin, so Klempert, wäre es um die soziale Ausgewogenheit wohl noch schlechter bestellt, was man an der Landespolitik von Roland Koch direkt ablesen könne.
Die besondere Brisanz der weltweiten wirtschaftspolitischen Veränderungen, die natürlich auch in Deutschland ihre Wirkung zeigt, machte dann der kurze, aber dichte Vortrag Prof. Hausers zur Armuts- und Wohlstandsverteilung deutlich. Ein Drittel der Bevölkerung verfügt über gar keine finanziellen Reserven. Und weil dieser Teil der Gesellschaft wächst und auch nicht in der Lage ist, eine private Rente zu erwerben, wird diese Gruppe zunehmend von der Gesellschaft getragen werden müssen. Und auch mittlere Einkommensgruppen haben mit abnehmenden Vermögen zu rechnen, wie Hauser in seinem Vortrag belegte. Nur die Wohlhabenden dürfen, wenn sich in der Politik nichts Wesentliches ändert, auch in der Zukunft mit wachsendem Vermögen rechnen.
Als Befürworter der Agenda 2010 nahm Hauser auch Stellung zu den jüngsten Berliner Entscheidungen. So begrüßte er zwar die 2003 erfolgte Grundsicherung bedürftiger Menschen, doch verurteilte er es scharf zur Versorgung und Pflege im Alter die Kinder der Betroffenen heranzuziehen. „Denn gerade die Familien mit Kindern sind es“ betonte Hauser, „die immer weniger in der Lage sind, Reserven zu bilden“. Eine Lösung dieser Ungleichverteilung sollte man auch keinesfalls in den USA oder Großbritannien suchen, dort klafft die Schere zwischen Armut und Wohlstand noch weit höher auseinander als in Deutschland. Ursache für diese Entwicklung ist – so Hauser - zu großen Teilen die weltweite Arbeitslosigkeit. Zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen in Deutschland forderte er, besonders die ungelernten Arbeitsuchenden zu fördern: „denn in diesem Bereich dürften kaum neue Arbeitsplätze entstehen“.
Anschließend an den Vortrag ermunterte der Fraktionsvorsitzende Erhard Becker die Gäste und SPD-Mitglieder noch einmal humorvoll, aber nicht ohne Tiefgang, dass das Leben im Wohlstand auch kritisch zu betrachten ist und zitierte den jüngsten Bericht von Worldwatch. Dieser hat herausgefunden, dass der Mensch ab einem Jahreseinkommen von rund 13.000 Dollar keinen Zuwachs an Lebensqualität erfährt.
(Besucher: exakt 38. Außerdem ehemalige Landtagsabgeordente Hildegard Klär, Landtagsabgeordnete und sozialpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Petra Fuhrmann, Fraktionsvorsitzender der SPD Hochtaunus Manfred Gönsch, Klaus Dehler)