Sommerfest im Woogtal - Nachlese

Veröffentlicht am 10.08.2008 in Presse

Petrus hatte dieses Jahr ein Einsehen mit den Königsteiner Sozialdemokraten und so konnte Karl Flamme den mehr als 40 Besuchern des SPD-Sommerfestes unter strahlend blauem Himmel die Besonderheiten des Woogtals erkunden.

Die Führung begann am Schwimmbad, dessen Wasser für das Schwimmbecken früher vom Rombach in ein flaches Vorlaufbecken und von der Sonne erhitzt anschließend in das Becken floss. Manche Besucher wussten es noch: Wenn Gewitter oder Platzregen drohte, musste Bademeister Wilke raus aus dem Haus und einen Schieber schließen, damit der Bach nicht die anfallende Fracht aus Schlamm und Geäst in das Schwimmbecken spülte.

Weiter ging es über die Brücke zum Stauwehr des Weihers rauf. Auf diesem Weg gibt es auch bei anhaltender Trockenheit fast immer Pfützen, weil das Wasser wegen des unterhalb des Weges künstlich aufgeschütteten Walles nicht ablaufen kann, so Karl Flamme. Bemerkung eines Besuchers: Es fehlt eine Drainage, die es früher oberhalb des Weges noch gegeben hat.

Auch am neuen Bachlauf gab es kritische Stimmen, denn man war sich völlig einig, dass dieser „Kanal“ völlig entbehrlich gewesen wäre und man das Wasser viel besser wieder in den alten Mühlgraben hätte leiten sollen.

Vor den ersten Umgestaltungsmaßnahmen im Woogtal (in den 1960er Jahren?) führte die Woog auch nicht durch den Weiher, sondern oberhalb des Weihers entlang, der damals nur eine Senke war. Dort hätte man den Bachlauf auch belassen sollen, denn der Bach diente sowohl zur Be- als auch zur Entwässerung der tiefer liegenden Wiesen. Im Winter wurde er gelegentlich gestaut und das Wasser ergoss sich zum Vergnügen der Jugend, die hier eislaufen konnten, über die Wiese.

Besondere Heiterkeit löste bei den Besuchern das Angebot aus, im Weiher ein Kneippbad zu nehmen. Die vor drei Jahren eingerichtete Stange steht heute ebenso vollständig im Schlamm wie die Enten, die in diesem Teil des Weihers zu Fuß unterwegs sind, anstatt zu schwimmen.

Traurig stimmten die Besucher die Erinnerungen Karl Flammes an die einstige Blumenvielfalt des Woogtals. Auf den Wiesen blühten Margeriten und Sumpfdotterblumen und ebenso reichlich gedeihten zahlreiche Kräuter.

Mindestens zweimal im Jahr erntete man im Woogtal Heu. Das wäre heute noch möglich, wenn man das gemähte Gras, das den Boden überdüngt und jede Entwicklung von Wiesenblumen unterdrückt, nicht einfach liegen lassen würde.

Karl Flamme: Es gibt immer noch Interessenten für eine solche Heuernte, weiß Flamme, aber der Hundekot macht jede Nutzung der Wiesen unmöglich. Man müssten Hundebesitzer endlich abstellen. "Die machen mit ihren Hunden das Woogtal kaputt“.

Oberhalb der Wiesen zum Ölmühlweg führte ein etwas breiterer Weg entlang, die sogenannte „Heufahrt“, sie diente zum Abtransport der Ernte. Den dichten Baumbestand von heute gab es nach dem Krieg nicht.

Auch der Freiheitsfelsen von 1927 mit der Inschrift „Wir sind frei“, gemeint waren die Franzosen, die Königstein verlassen hatten, ist heute kaum noch sichtbar und sollte wie einst von Gebüsch und großen Bäumen eigentlich frei sein.

„Solche Bäume haben auch am Bachlauf selbst nichts zu suchen“, führt Karl Flamme weiter aus, „der Bach braucht Licht und Luft, damit sich darin Leben entwickeln kann und die hin und wieder heute zu findenden kleinen Forellen hätten mehr Chancen zum Überleben. Bis in die 1960er Jahre wurde der Bachrand von sogenannten Faschinen geschützt, die aus Astwerk geflochten sich tief in den Boden entwickeln konnten. Auch Weiden sind zur Sicherung geeignet, allerdings nur, wenn diese regelmäßig kurz geschnitten werden.

Und mindestens 10.000 €, schätzt Karl Flamme, hätte die Stadt sparen können, wenn man die Anpflanzung neuer Bäume unterlassen hätte. Einige verstellen nur den freien Blick ins Tal, viele gingen ein, weil die Sorte nicht stimmt oder der Boden ungeeignet ist.

Auch die Wege sind nur zum Teil sachgemäß angelegt. Würde man an manchen Stellen die talwärtige Steinbegrenzung wieder entfernen, könnte das Wasser besser abfließen und die Stadt die regelmäßig fällig werdenden Reparaturen sparen.
Das gleiche gilt für die fortschreitende Unterspülung an der oberen Woog-Brücke, die rasch beseitigt werden sollte bevor größerer Schaden entsteht.

Ein dickes Plus gab es am Ende von Karl Flamme für die neuen Bänke aus recyceltem Material und die Abfallbehälter, die so gebaut sind, dass keine Krähen und andere Tiere im Abfall fündig werden können.

Am Ende dankte Gabriele Klempert Karl Flamme für seinen wichtigen Vortrag: "Ich hoffe, dass die Fehler der Vergangenheit noch zu tilgen sind, bevor es zu spät ist. Wenn wir unsere Natur retten wollen, müssen wir lernen, die Kenntnisse unserer Vorväter zu achten. Das gilt nicht nur für den 'Landschaftspark-Woogtal', sondern für ganz Königstein. Wenn wir das Zusammenspiel der Naturkomponenten 'Luft, Licht, Wasser und Wind' nicht begreifen, haben wir den Titel 'Luftkurort' nicht verdient."

Besucheranmerkungen am Rande:
Zwei Besucher des Woogtals aus Kelkheim standen verwirrt vor der Informationstafel des Woogtals und suchten vergeblich den eingezeichneten oberen Weiher, der heute fast vollständig verlandet ist.
Außerdem merkten sie an, es fehle ein Hinweis, dass am Fuße des Woogtals der Rombach und die Woog zum Liederbach werden.

Karl Flamme: "Von besonderem Interesse war auch die Veränderung des Klimas. Noch vor zwanzig Jahren kamen im Sommer zahlreiche Gewitter von Süden nach Königstein. Diese setzten sich in Königstein richtig fest, so dass man damit rechnen konnte, dass ein morgendliches Gewitter am Abend noch einmal niederging. Heute kommen die Gewitter von Süden gar nicht mehr bis Königstein durch oder bleiben am Nordhang des Taunus hängen."

Die Ursache dieser Entwicklung wurde unter den Besuchern damit gefunden, dass die Wärme der südlich von Frankfurt liegenden Städte die Gewitter abfängt.

Die Mühle hat noch in den 1960er Jahren dem Eigentümer der Fischzucht südlich der Bahnlinie zur Energiegewinnung gedient. Diese heute energiepolitisch wichtige Einrichtung fiel dem Strommonopol der Mainkraftwerke zum Opfer, die dem Eigentümer die Nutzung der Mühle untersagte.

 

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