Hochtaunuskreis – Die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen gibt weiterhin Anlass zur Kritik, stellen die Sozialdemokraten im Hochtaunuskreis fest und erwarten angesichts wieder steigender Zahlen von Asylsuchenden vom Landrat ein schlüssiges Konzept. Das Sammellager in Grävenwiesbach ist inzwischen wieder voll belegt, so dass neue Flüchtlingsfamilien nun wieder im Containerlager untergebracht werden könnten, fürchtet die Kreistagsabgeordnete Gabriele Klempert. Zwar konnten einige Familien das Containerlager verlassen, aber auch die dezentralen Unterkünfte weisen erhebliche Missstände auf, wie die Abgeordnete Klempert bei einem Besuch vor Ort erkennen konnte.
Darunter waren Flüchtlingsfamilien, die dieser Tage vom Betreiber die Mitteilung erhalten haben, ihre Wohnungen kurzfristig verlassen zu müssen, weil das Haus unbewohnbar sei und abgerissen werden muss. Eine Alternative wurde ihnen nicht angeboten. Wenn sich in den kommenden zwei Monaten keine Ersatzwohnungen finden, ist zu befürchten, dass diese Familien wieder ins Containerlager umziehen müssen, obwohl sie seit Jahren in Oberursel wohnen und dort integriert sind.
Aber auch die anderen Flüchtlingswohnungen befinden sich in einem so schlechten Zustand, dass sie unter normalen Marktbedingungen als nicht vermietbar gelten dürften. Notwendige Reparaturen am Haus und in den Wohnungen werden nicht ausgeführt. Darüber hinaus erhalten die Flüchtlinge von Seiten des Betreibers so gut wie keine soziale Betreuung, obwohl dieser vertraglich dazu verpflichtet ist und diese auch bezahlt bekommt.
Nach unserer Kenntnis, so Klempert, erhält der Betreiber für eine vierköpfige Familie für die Unterbringung und Betreuung im Monat fast zwölfhundert Euro. Stellt man eine Wohnungsmiete für die heruntergekommenen Behausungen und Einrichtungsmöbel von etwa 500 Euro dagegen, lässt sich schnell ausrechnen, was übrig bleibt, wenn notwendige Maßnahmen unterbleiben.
Ob im Containerlager oder in den Wohnungsunterkünften, wir als Sozialdemokraten können es nicht dulden, dass der Hochtaunuskreis seine Pflicht zur angemessenen Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen an Betreiber delegiert, die an maximalen Gewinnen interessiert sind und denen die Menschen im Prinzip egal sind. Für den daraus entstandenen Schaden zahlen die Flüchtlinge und letztlich auch die Steuerzahler.
Die Sozialdemokraten im Hochtaunuskreis fordern den Landrat auf, bei derart gravierenden Mängeln sich nach anderen Betreibern umzusehen oder die Unterbringung der Flüchtlinge selbst in die Hand zu nehmen. Andernfalls ist das zurzeit gepriesene Vorzeigemodell Hochtaunuskreis für die Integration ausländischer Mitbürger nur Heuchelei.