Anläßlich eines ersten Sondierungsgeprächs zwischen den Königsteiner Sozialdemokraten und dem künftigen Bürgermeister Leonhard Helm, in dem man sich über verschiedene Themen zur künftigen Königsteiner Politik austauschte, gab es durchaus Übereinstimmungen in der Beurteilung der Lage.
Neben den Themen wie der Erhalt des Haus der Begegnung, die Entwicklung des Kurbad wurden auch Fragen zur Stadtentwicklung erörtert. Im Zuge der Beurteilung der finanziellen Situation Königsteins kam man dann aber direkt auf den Besuch der Brasilianer zu sprechen. Aus Sicht der Sozialdemokraten werfen die Vorbereitungen zu diesem Ereignis zunehmend Fragen auf, die einer dringenden Klärung bedürfen. Nicht nur, dass zahlreiche Gerüchte und Dementis über anstehende Straßenbaumaßnahmen rund um Falkenstein in der Stadt kursieren, auch die Vertragslage zwischen diversen Beteiligten scheint völlig unklar.
So fragen sich die Sozialdemokraten, ob es nicht bereits weit vor der Bekanntmachung über den Besuch der Brasilianer Vereinbarungen zwischen den Veranstaltern, z. B. der FIFA und der Stadt getroffen wurden, die schon vor Monaten den Einsatz finanzieller Mittel beinhalteten, bzw. ob zum Beispiel Zusagen über die Qualität des Sportplatzes gemacht wurden oder die Nutzung des Schulgeländes oder anderer öffentlicher Gebäude, Plätze und Straßen, die eines Beschlusses der Mandatsträger bedurft hätten.
Zweitens fragen sich die durchaus fußballbegeisterten Sozialdemokraten, wer zur Zeit für die Stadt Königstein handelt? Als Koordinator des Brasilianer-Besuches wird Herr Becker von der Stadt genannt und in Vertretung einer „Arbeitsgemeinschaft-Brasilien“ Karl-Gustav Schramm (FPD). Auch bleibt es ein Rätsel, nach welchen Kriterien dieses Team zusammengestellt wurde, das bereitgestellte Geld zu verplanen und zu verwalten? Diese Unschärfen konnte auch Leonhard Helm nicht klären, obwohl er inzwischen in diesem Gremium kooptiert ist.
Drittens wurde in dem Gespräch deutlich, dass die Stadtverordnetenversammlung einstimmig einem Event zustimmte, das in seiner Tragweite und Komplexität zum Zeitpunkt der Abstimmung kaum erkennbar war und den Mandatsträgern viel zu kurzfristig vorlag. So blieben sowohl die zu erwartenden Kosten im Reich der Vermutungen, als auch welchen Gewinn die Stadt aus dem Besuch der Brasilianer gegebenenfalls erzielen könnte. Um nicht als Spielverderber dazustehen, haben manche Kritiker darum nur mit Bauchgrimmen zugestimmt. Dieses Verfahren war weder bürgernah, noch dem Umfang nach angemessen, wie sich jetzt zu erweisen scheint.
Viertens würden die Sozialdemokraten gern geklärt wissen, welche Auswahl-Kriterien dazu führten, die Oberurseler Event-Agentur mit der Durchführung der Aktivitäten zu beauftragen. Diese Firma ist lediglich mit zwei kleineren Veranstaltungen in Dubai und Brasilien in Erscheinung getreten und empfiehlt sich ansonsten eher als Print-Agentur für Broschüren. Ein genauer Überblick über die Eignung der Firma, z. B. eine Präsentation lag den Mandatsträgern nicht vor, sie wurden lediglich mit Behauptungen versorgt und auf Unterlagen verwiesen, die man im Hauptamt einsehen könne, denn es sei Eile geboten.
Wenige Wochen vor dem Anpfiff der Fussball-WM stellt sich die Situation in Königstein äußerst unklar dar.
Wer die Musik bestellt, muß auch zahlen, heißt es im Volksmund. Und so fragen die Sozialdemokraten, wer die Musik bestellt hat, wann sie bestellt wurde und welche Musik gespielt wird. Angesichts des hohen finanziellen Risikos ist es höchste Zeit, diese offenen Fragen zu beantworten.