Unkenntnis, Ignoranz und Verfahrensfehler bei der Woogtalsanierung

Veröffentlicht am 24.02.2006 in Presse

Das Desaster der Woogtalsanierung hätte verhindert werden können, wenn man die Augen und Ohren nur rechtzeitig aufgesperrt hätte.
Zwar begrüßen die Königsteiner Sozialdemokraten den jetzt veröffentlichten schonungslosen Bericht des Königsteiner Bauausschusses, der die Vorgänge zu den Sanierungsmaßnahmen im Woogtal beleuchten sollte. Jedoch ist auch darin nur die halbe Wahrheit enthalten, so die Vorsitzende Gabriele Klempert, wenn es nun den Anschein hat, als ob die Fehler im wesentlichen in der weiteren Vergangenheit oder im Vertragsverfahren liegen.

Die nicht wahrgenommene, aber eigentliche Aufgabe, nämlich die Entschlammung der Weiher und am Ende das mißlungene Kneipp-Becken sind nur ein kleiner Teil des Desasters, das relativ einfach zu verhindern gewesen wäre.

Noch bevor der erste Bagger anrollte, gab es genug warnende Stimmen, die auf die Folgen der für das Königsteiner Klima üblichen Regenfälle und das besonders stark abfallende Gelände des Woogtals aufmerksam gemacht hatten, bestätigt auch Thomas Villmer von der SPD. Diese wasserbautechnischen Herausforderungen wurden seit Jahrhunderten durch ausgeklügelte Bau- und Bepflanzungsmaßnahmen hervorragend bewältigt. Doch leider hatte man es im Bauausschuß nicht nötig, auf diese wichtigen Hinweise zu reagieren. „Von Anfang bis Ende bestimmten gravierende Verfahrensfehler, historische Unkenntnis und Ignoranz das gesamte Verfahren, stellt der Baufachmann Villmer fest.

Seit Jahrzehnten hätte es den Verantwortlichen ebenfalls bekannt sein müssen, dass sich im Woogtal historisch bedeutsame wassertechnische Anlagen befinden, ergänzt Gabriele Klempert und fügt hinzu, dass man aus Bequemlichkeit nicht gewillt war, zur Begutachtung dieser Bodendenkmäler rechtzeitig das Landesamt für Denkmalpflege beizuziehen.

Als die Wiesbadener Archäologen wenige Tage nach Baubeginn eintrafen, war der gesamte künstlich angelegte Mühlgraben bereits radikal ausgehoben. Dabei wurden die Steine aus dem historischen Bachbett aber nicht einfach beiseite gelegt, sondern so gründlich entsorgt, dass sie nicht mehr aufzufinden waren. Hingewiesen sei hier darauf, dass jeder Baggerführer in seiner Ausbildung lernt, auf mögliche Bodendenkmäler zu achten und bei unklarem Befund die Denkmalschutzbehörde einzuschalten.

Dass die Kosten für den nun angerichteten Schaden an der Stadt hängen bleiben, ist nur recht und billig, meinen Villmer und Klempert. Schlimmer noch als die entstandenen Kosten ist die Tatsache, dass wieder mal wertvolles Kulturgut vernichtet wurde. Es bleibt zu hoffen, dass der künftige Bauausschuß mit Mandatsträgern besetzt wird, die besser als bisher ihre Augen und Ohren für die Besonderheiten unserer einzigartigen Kulturlandschaft offen halten.

 

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