Eine Recherche über das Schicksal Königsteiner Mitmenschen jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft, die von der Königsteiner SPD in Auftrag gegeben wurde, hat neue Fragen über die Zahl der Opfer während der Nazidiktatur aufgeworfen.
Eine Recherche über das Schicksal Königsteiner Mitmenschen jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft, die von der Königsteiner SPD in Auftrag gegeben wurde, hat neue Fragen über die Zahl der Opfer während der Nazidiktatur aufgeworfen.
Außer den bereits bekannten Namen, die in dem Buch „Juden in Königstein“ ihr Gedächtnis fanden, wurden weitere gefunden, die aus Königstein im Taunus kommen. Sie sind im Jerusalemer Holocaust-Museum Yad Vashem, in der Halle der Namen, aufgeführt, die gleichermaßen als Denkmal und Archiv verstanden wird und alle Namen derer trägt, die im Holocaust den Tod fanden. Bis heute wird diese Liste noch immer ergänzt.
Unter diesen, in der Jerusalemer Halle der Namen neben den bereits bekannten Namen, finden sich fünf Personen mit dem Familiennamen Chojnacki oder Chojnackl, ihre Vornamen lauten Moshe, Rachel, Abraham, Lena und Else. Hinzu kommen Isaak Bamberger und Moritz Seligmann. Außerdem findet sich aus dem Kreis der Familie Henlein, noch ein bislang nicht aufgeführter Mann mit dem Vornamen Siegmund.
Für alle ist als letzter Aufenthalt die Stadt Königstein, mit dem Zusatz „Wiesbaden, Nassau“ angegeben, so dass eine Verwechslung mit anderen Orten gleichen Namens ausgeschlossen sein dürfte. Im Gegensatz zu den heute bekannten Opfern, gibt es von ihnen jedoch keine Karteikarte. Weder ihr Leidensweg, noch der Ort ihres Sterbens, oder das Todesjahr ist irgendwo angegeben.
Da nur wenig Aussicht besteht, im Jerusalemer Holocaust Archiv weitere Angaben zu finden, bitten die Königsteiner Sozialdemokraten noch lebende Zeitzeugen oder deren Angehörige um Hinweise, wo diese Menschen in Königstein gelebt haben könnten. Die Ortsvereinsvorsitzende Gabriele Klempert vermutet, dass diese Menschen möglicherweise als Zwangsarbeiter in Königstein gearbeitet haben oder aus anderen Gründen hier nicht gemeldet oder registriert waren. „Hinweise auf deren Existenz behandeln wir auf Wunsch auch vertraulich“ verspricht Gabriele Klempert, „uns geht es nicht um Schuldzuweisungen“, betont sie, „uns geht es um ein faires Gedächtnis eines jedes einzelnen, der in Königstein wegen seines jüdischen Glaubens oder seiner jüdischen Wurzeln Verfolgung oder Tod erleiden mußte“.
Zum Gedächtnis der heute bekannten Menschen, die bis zu ihrer Deportation in Königstein lebten, sucht die Stadt zur Zeit nach einem geeigneten Platz, an dem auf einer Gedenktafel an deren Schicksal erinnert werden soll. Die Sozialdemokraten hoffen nun, dass auch diejenigen mit ihrem Namen auf dieser Gedenktafel ihr Gedächtnis finden. Auch sie lebten in Königstein, wenngleich von ihnen noch nicht einmal eine Karteikarte oder ein noch so geringes Zeugnis existiert, wenigstens die Jerusalemer Halle der Namen sollte uns dafür als trauriger Beleg dienen.
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