Die SPD Königstein gedenkt in dieser Woche ihrer großen lokalen Vorkämpferin Gertrud Koch (1913-2007) und wird an ihrem Grab gemeinsam mit dem Freundeskreis der Städte Königstein Blumen niederlegen. Über 30 Jahre war die Schneidhainerin Gertrud Koch im Dienste der Sozialdemokratie engagiert. Es gibt kaum ein Amt, das sie vom Vorsitz des Ortsvereins bis hin zur Fraktion für die SPD nicht ausgeführt hat. Die heutige Ortsvereinsvorsitzende Dr. Ilja-Kristin Seewald findet vor allem bewundernswert, wie sich Gertrud Koch als Frau in die Politik eingebracht hat. „Frauen müssen sich in die Politik einmischen“, lautete Gertrud Kochs Motto mit dem sie 1972 in Königstein die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen gründete. Ihre Ausdauer, ihre Willensstärke sind für die heute in der Kommunalpolitik aktiven Sozialdemokraten Vorbild und Ansporn zugleich, in ihrem Sinne in Königstein weiter Kommunalpolitik zu betreiben.
Von 1978 bis 1994 war Gertrud Koch für die SPD in der Königsteiner Stadtverordnetensitzung aktiv und hat in dieser Zeit mit vielen Ideen, Anträgen und Projekten die Königsteiner Kommunalpolitik geprägt. 15 Jahre lang hat Gertrud Koch beispielsweise dafür gekämpft, dass aus dem ehemaligen Spritzenhaus in der Altstadt ein Treff für Senioren wird. Ihre Ausdauer zahlte sich aus, sie bekam die Mehrheit für ihr Projekt. Eine weitere wichtige Herzensangelegenheit Gertrud Kochs – der soziale Wohnungsbau – ist heute wieder so notwendig wie damals. Ihre Nachfolger in der Stadtverordnetenversammlung setzen sich derzeit dafür ein, dass bezahlbarer Wohnraum auch in Königstein wieder vorhanden ist und beispielsweise am Kaltenborn III ein Mehrgenerationenhaus entstehen kann.
Als Kommunalpolitikerin wurde Gertrud Koch 1998 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet, u.a. auch deshalb, weil sie sich für eine Dokumentation über das Leben der Juden in Königstein stark gemacht hat. „Königstein habe den Juden viel zu verdanken“, so Gertrud Koch. Sie war es, die sich dafür einsetzte, dass Königstein einen Dr.-Kohnstamm-Weg bekam, benannt nach dem Gründer des gleichnamigen Sanatoriums in Königstein. Sein Sohn Peter erinnert sich in seinem Buch „Lieder eines fahrenden Gesellen“ (Königstein 1994): „Wir trafen Gertrud Koch, die für die Benennung der neuen Straße nach meinem Vater gekämpft hatte. Sie war lange Jahre sozialdemokratisches Mitglied der Stadtverordnetenversammlung gewesen. Ihre Anstrengungen, ein Zeichen des guten Willens und der Reue zu setzen, hatten Erfolg. Sie brachte uns einen Blumenstrauß und begegnete uns mit rührendem Interesse und herzlicher Wärme.“
„Wir werden ihrer gedenken, wenn am 18. November die ersten Stolpersteine in Königstein verlegt werden. Die Sozialdemokraten unterstützen diese Aktion aktiv und übernehmen Steinpatenschaften zum Gedenken an Juden, die in Königstein gelebt haben“, so Dr. Ilja-Kristin Seewald. „Gertrud Koch hat sich Zeit ihres Lebens dafür stark gemacht, dass die Stadt Königstein einen Gedenkstein für Juden, die in Königstein gelebt haben, aufstellt und so an Einzelschicksale erinnert. Zu ihrem 100. Geburtstag wird dieses Ziel jetzt verwirklicht“, so die heutige SPD Ortsvereinsvorsitzende.