Schon im Vorfeld führte die Veranstaltung „Erst alt, dann krank, dann unerwünscht? - Alt werden in Königstein“ zu der die Arbeiterwohlfahrt und die SPD-Königstein eingeladen hatten zu Irritationen. Doch Gisela Claussen von der AWO und Gabriele Klempert von der SPD, widersprachen Bürgermeister Fricke, der den Titel und den Termin kritisierte, der in Konkurrenz zum Haupt- und Finanzausschuss stand.
Der Termin lag seit Monaten fest, betonten die Veranstalter, und beim Titel habe der Bürgermeister wohl das Fragezeichen übersehen.
Und so kamen die Gäste des Podiums: Frater Andreas vom Haus Raphael, Alexandra Nawin, von der Sozialstation Königstein und Eike von der Heyden, Leiter des Versorgungsamtes Frankfurt und zuständig für die Heimaufsicht, sowie Petra Fuhrmann, Mitglied des Landtages und sozialpolitische Sprecherin der hessischen SPD auch bald zur Sache.
Einig waren sich Alexandra Nawin und Frater Andreas, entgegen den Aussagen des Landrats dass es an Kurzzeit- und Tagespflegeplätzen fehlt. Die Angehörigen brauchen mehr Entlastung, meint Frater Andreas und möchte solche Plätze gern in einen Neubau des Hauses Raphael integrieren. Doch die Planungen kommen nicht voran. Er habe alle Fragen beantwortet, nun ist die Stadt am Zug, doch es geschieht nichts und seine Geduld sei erschöpft.
Gegen den Vorwurf des Nichtstuns wehrte sich unter den Zuhörern Friedrich Hug von der CDU und machte ausschließlich den Landrat für die Verzögerungen verantwortlich, denn nur dort könne man den Bedarf feststellen und von dort müsse auch ein Finanzierungsvorschlag kommen.
„Seit 12 Jahren geht das so, widersprach Frater Andreas, die Stadt müsse nur endlich ein Grundstück vorweisen, dann wäre auch die Finanzierung längst gesichert. Dass es an einem Grundstück eigentlich nicht zu fehlen bräuchte, stellten Vertreter der SPD-Fraktion klar. Seit Monaten liegt der Stadt ein Antrag vor, ein Gelände zwischen dem Sonnenhof und dem Kurbad zu prüfen und fordert einen Innenstadt-nahen Neubau.
Eine Sanierung des Hauses Raphael, wie dies die CDU immer noch auslotet, scheidet nicht nur wegen der Randlage aus, sondern auch wegen der Bausubstanz, bestätigt Eike von der Heyden. Dafür haben sich die Standards in der Ausstattung zu sehr verändert. Für das Objekt, wie es jetzt dasteht wird das Land keinen einzigen Euro beisteuern. Auch er sieht das Hauptproblem in der Frage eines Grundstücks. Aus seiner Erfahrung weiß er, dass das Land eine Pflegeheim-Finanzierung keinesfalls verweigert, wenn sowohl ein Grundstück als auch ein Träger bereitstehen und der Bedarf für Königstein ist im Altenhilfeplan sogar festgeschrieben ist. Das bestätigt auch Petra Fuhrmann. Darüber hinaus, so v. d. Heyden, sei nach seiner Kenntnis der Mittelbedarf beim Sozialministerium längst angemeldet.
Unstrittig war, dass der Bedarf an ambulanter und stationärer Pflege zunimmt, während die Zahl der pflegenden Angehörigen dramatisch sinkt. Darüber hinaus verzerren viele illegal arbeitende Pflegekräfte das Bild für den tatsächlichen Bedarf.
Darum fordert Gisela Claussen auch mehr wohnortnahe, kleinere Häuser für Betreutes Wohnen. Dafür sieht Gabriele Klempert besonders in Königstein gute Möglichkeiten, u. a. in der hinteren Hauptstraße, wo immer mehr Läden schließen und Immobilien zum Verkauf stehen. Kleinere Wohneinheiten erlauben zudem mehr Eigenleistung und sind darum kostengünstiger als eine Rundumversorgung oder Residenzausstattungen. Auch Petra Fuhrmann hält die bisherigen Modelle demnächst für nicht mehr für finanzierbar.
Am Ende bekundeten alle noch einmal, das Hause Raphael erhalten zu wollen. Doch es müssen nun Taten folgen. Vielleicht ist die Ampel in Wiesbaden und Bad Homburg, auf die der Bürgermeister nach seinen eigenen Worten wartet, ja schon längst grün geschaltet, meint Gabriele Klempert, dann muß er nur noch losfahren, damit es endlich weitergeht.