Das Balkonzimmer der Villa Borgnis war nur mäßig gefüllt, aber dafür entspann sich anläßlich der Veranstaltung „Ganztagsschule, Bildung oder Aufbewahrung“ zu der die SPD Königstein eingeladen hatte, eine umso lebhaftere Diskussion.
Das Balkonzimmer der Villa Borgnis war nur mäßig gefüllt, aber dafür entspann sich anläßlich der Veranstaltung „Ganztagsschule, Bildung oder Aufbewahrung“ zu der die SPD Königstein eingeladen hatte, eine umso lebhaftere Diskussion.
Die Pläne der hessischen SPD zur künftigen Schulpolitik referierte Stephan Wetzel, der schulpolitische Sprecher der Kreistagsfraktion, und versprach bei einem Wahlerfolg der SPD für alle hessischen Kinder die flächendeckende und verbindliche Einführung einer Vorschule, als auch die Einrichtung von 500 Ganztagsschulen. Das Bildungssystem zu verbessern, steht an erster Stelle der Prioritätenliste und ist der wichtigste Schritt zu mehr Beschäftigung und sinkenden Sozialausgaben.
Doch unklar blieb die Finanzierung der Ganztagsschulen, denn diese benötigen nicht nur mehr Räume, sondern auch ein geeignetes Konzept sowie weiteres Personal, das von der Bundesregierung für diesen Zweck einige Gelder zur Verfügung gestellte Geld wird keinesfalls reichen. Der Bildungsnotstand läßt sich nicht einfach mit Schulcomputer verbessern, die dann aus Personalnot nicht gewartet werden können, meinte auch Tilmann Stoodt, Leiter einer Frankfurter Berufsschule. Auch mit den mangelnden Sprachkenntnissen von Schülern ausländischer Herkunft hat das gegenwärtige Bildungsdesaster nur wenig zu tun, denn auch die Sprachkenntnisse deutscher Kinder sind häufig mangelhaft.
Erhard Becker, Lehrer an einem Gymnasium, klagte hingegen über die in den vergangenen Jahren enorm gewachsende Arbeitsbelastung, weil die Klassenfrequenzen drastisch erhöht wurden. Zwar fallen nun weniger Stunden aus, aber der Unterricht leidet darunter. Außerdem seien ständig neue Anfragen und Programme aus Wiesbaden zu beantworten, deren Nutzen fragwürdig ist, so habe Becker z. B. zu erfassen, wieviele Rechtschreibfehler in Mathematikarbeiten auftreten und ähnliches.
Grundsätzlich war man sich einig, dass die Einführung der Ganztagsschule, mit einem breiten Angebot an musischen Fächern und mehr Zeit für Spiel und Sport, wie sie in Europa längst üblich ist, längst überfällig ist. Viel zu lange habe man in Deutschland die alten Zöpfe traditioneller Rollenverteilung in Beruf und Familie durch die halbtägige Schulform aufrechterhalten. Aber auch die Halbtagsschule krankt an Haupt und Gliedern, meinten nicht nur die anwesenden Eltern, sondern auch der jüngste Diskutant, ein zwölfjähriger Schüler der Taunusschule und beklagt u.a., dass sein Atlas immer noch die DDR zeige.
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