Mit Betroffenheit und Ärger reagieren die Königsteiner Sozialdemokraten auf den am Montag beschlossenen Verkauf des Hauses Kurmainzer Straße 3. Von den zurzeit sechs Wohnungen bleibt nur bei einer einzigen die Sozialbindung bestehen und auch diese wird, wie bei den wenigen noch vorhandenen, demnächst auslaufen.
Angesichts allgemein sinkender Einkommen und einer ständig wachsenden Warteliste für städtische Wohnungen ist es unverantwortlich, den wenigen preiswerten Wohnraum dem freien Markt zu überlassen. „Viele der heute noch einigermaßen preisgünstigen Immobilien werden nicht selten nach ihrem Ankauf gewerblich genutzt, in teure Wohnungen umgewandelt oder bleiben sogar vielfach leer“ warnt der Fraktionsvorsitzende Thomas Villmer, der diese Entwicklung seit langem beobachtet.
Darüber hinaus bedeutet der Verkauf städtischen Wohnraums nur eine kurzfristige Entlastung des Königsteiner Haushalts, ganz abgesehen davon, dass die Gebäude nach Meinung der SPD oft unter Wert verkauft werden. „Besser wäre es“ so Villmer „die Stadt nutzt ihre Liegenschaften zur eigenen Vermietung, wie dies in anderen Städten erfolgreich gemacht wird, denn auch so lässt sich durchaus ein vernünftiges wirtschaftliches Ergebnis erzielen“ ergänzt auch Stefan Kilb die Bedenken der SPD.
Gabriele Klempert, Vorsitzende der SPD, warnt eindringlich davor, Königstein zu einer reinen Wohlstandsinsel machen zu wollen
Viele Königsteiner oder deren Kinder, die hier seit Jahren verwurzelt sind, ziehen weg und junge Familien lassen sich angesichts der hohen Mieten gar nicht erst in Königstein nieder. Das hat nicht nur fatale Auswirkungen auf das soziale Gefüge der Stadt, sondern gefährdet auch Königsteiner Unternehmen. Mitarbeiter kleinerer und mittlerer Einkommen können sich die hohen Mieten schon heute nicht mehr leisten. Ganz abgesehen von Alleinerziehenden und älteren Königsteinern, die hier oft Jahrzehnte zuhause sind.
Besonders im Vordertaunus fehlt es an preiswertem Wohnraum. Die wenigen Wohnungen, die u. a. auch von der „Gemeinnützigen Wohnungsbau Hochtaunus“ angeboten werden, reichen bei weitem nicht aus. Wer dort einziehen möchte, muss zudem in der Lage sein, Genossenschaftsanteile kaufen zu können und auch die Mieten richten sich eher an mittlere als an wirklich kleine Einkommen.
„Wenn man Menschen mit niedrigen Einkommensgruppen aus einer Stadt vertreibt und meint, sich damit die Probleme wachsender Armut vom Leib zu halten, ist das zynisch und menschenverachtend, so Klempert. Dass die Zahl armer Menschen im Hochtaunuskreis wächst, darauf weist auch der Armutsbericht, den die Diakonie jüngst wieder herausgegeben hat. Wachsende Armut, Obdachlosigkeit und schlechte Wohnverhältnisse treiben nicht nur die Sozialausgaben in die Höhe, sondern fördern Unfrieden und Gewaltbereitschaft.
In Königstein müssen die letzten noch verbliebenen, einigermaßen bezahlbare Wohnungen unbedingt in städtischer Hand bleiben und darüber hinaus neue geschaffen werden.
Ignoranz und soziale Kälte sind keine Antworten und dem kulturellen Image unserer Stadt unwürdig.