Gabriele Klempert Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Geduld, Dinge zu ertragen, die ich nicht ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“ – ein altbekannter guter Spruch, doch trifft er auch auf eine SPD-Politikerin zu?
„Oh, doch, da steh‘ ich voll dahinter, das ist fast mein Leitspruch“, stimmt Gabriele Klempert dem Versuch zu, ihre Situation zusammenzufassen. Kurz nacheinander sind nämlich zwei Meldungen über sie in der Redaktion eingegangen, die eigentlich nicht recht zusammenpassen wollen: Zum einen hatte sie für ihr nunmehr 12-jähriges Engagement im Kreistag den Ehrenbrief des Landes Hessen erhalten, zum anderen teilte sie nun mit, dass sie den Vorsitz der Königsteiner SPD abgibt und auch nicht auf der Liste für das nächste Stadtparlament stehen wird.
An mangelndem Engagement kann ein solcher Rücktritt bei der bekannten Kommunalpolitikerin kaum liegen, sie hatte sogar schon
für das Amt der Bürgermeisterin kandidiert, und auch sonst in Königstein etliche Spuren hinterlassen. Entsprechende Grenzen hat daher auch ihr jetziger Rück-Schritt, den sie, um der Partei nicht zu schaden, ungewohnt nebulös formuliert: Die Chemie zwischen Partei
und Fraktion stimmte einfach nicht mehr, sagt sie, und: „seit längerem anhaltende innerparteiliche Spannungen haben mich zu diesem
Schritt bewogen“. Kenner der Szene erahnen, dass der sehr unterschiedliche Führungsstil von Gabriele Klempert als Ortsvereins-Vorsitzende und Fraktionschef Thomas Villmer dahinterstecken, was auch zu verschiedenen Lagern unter den Genossen geführt hat. Der
Showdown zwischen Diskussionskultur und beinahe betriebswirtschaftlicher Führung ist schließlich zwar plötzlich, aber doch nicht unversöhnlich ausgegangen: Villmer gibt zu, bei „anderen Mehrheitsverhältnissen“ in der Richtungsdebatte über die künftigen Ziele
im Stadtparlament ebenfalls einen Rücktritt erwogen zu haben, und Klempert („Gruppendynamische Prozesse machen unheimlich
Spaß“) bleibt ihrer Partei treu: „Die Jahre als Vorsitzende haben mir zusammen mit vielen Weggefährten große Freude gemacht.“ Zuversichtlich, dass ihre Parteifreunde weiterhin eine gute Kommunalpolitik für Königstein gestalten werden, will sie dazu „auch in Zukunft meinen Beitrag leisten – als engagiertes Mitglied innerhalb der SPD ebenso wie in außerparlamentarischen Initiativen.“
Man darf mit Sicherheit annehmen, dass Gabriele Klempert sich vor Ort verstärkt ihrem „Hobby“ Kultur im weiteren Sinne widmen wird, immerhin gehört sie auch dem Vorstand des „Forum für Kunst und Kultur“ der hessischen SPD an und verlegt nicht nur im Langewiesche-Verlag Kunstbücher, sondern schreibt auch selbst – derzeit gerade einen
Führer zu „Kunst und Kultur im Neckar-Odenwaldkreis“.
Mit einem Blick aus dem Augenwinkel auf „Dynamit-Rudi“ als ehemaligen
Frankfurter Oberbürgermeister drängt sich ja doch die Frage auf, wie sich denn Denkmalschutz mit der Fortschrittspartei so verträgt:
„Stimmt, da habe ich ganz neue Wege beschritten, die wurden mir aber nicht verstellt“, sagt die Frau, die auf Kreisebene immer wieder die Fertigstellung einer Denkmaltopografie anmahnt. Böse Zungen behaupten schon, in Gebäudefragen sei sie konservativer als die CDU...„Wenn die Bürgerinnen und Bürger mir dafür bei den Kommunalwahlen im Frühjahr das Mandat erteilen“, will die überzeugte Demokratin im Übrigen gerne weiter ihr Energie in die ebenfalls ehrenamtliche Arbeit im Kreistag stecken, auch wenn die Arbeit dort dem Wähler oft nicht so präsent ist, wie die im Stadtparlament, solange es nicht gerade um Schulneubauten geht. „Frau Klempert hat sich besonders der Sozial- und Jugendpolitik verschrieben. Ihr engagierter
Einsatz im Jugend- und Sozialausschuss, in der Betriebskommission der Oberurseler Werkstätten und vielen anderen Gremien haben sie zu einer anerkannten Expertin werden lassen“, so die Presseverlautbarung
anlässlich der Verleihung des Ehrenbriefes des Landes Hessen. „Eigentlich braucht es für diese Auszeichnung nur Geduld“ wiegelt die Geehrte ab, die aber schon zugibt, dass Mitglieder aller demokratischen Parteien, die ehrenamtlich „12 Jahre lang Freizeit, ihren
Kopf und manchmal ihren Schlaf opfern“ eine Leistung vollbringen. Die gerne geäußerte Verdächtigung, solche Ehrenämter auch zum
persönlichen Nutzen zu verwenden, trifft trotz immer wieder erwischter schwarzer Schafe auf die Sprecherin des „Arbeitskreises Jugend, Soziales und Integration der SPDKreistagsfraktion“ mit ihren Schwerpunktfeldern sicher nicht zu. Was sie aus dieser Sicht besonders bewegt: „Ich würde mir wünschen, es wären mehr junge Leute politisch aktiv“, denn „ohne Demokratie und sozialen Frieden hört jeder Spaß auf“. „Vom kleinsten Dorf bis nach Berlin“ gilt ihrer Meinung nach, dass es immer schwerer ist, politische Gegebenheiten zu verändern, als sich am Stammtisch oder vor dem Fernseher darüber aufzuregen.
Vor allem aber „sollte man nie glauben, man könne ja doch nichts machen. Man kann – und muss sogar, finde ich. Allerdings sind die Schritte winzig kleine, man braucht halt Geduld.“